Die manuelle Lymphdrainage (kurz: MLD) wurde erstmals 1936 in Paris vorgestellt und dient dem Abtransport angestauter Lymphflüssigkeit. Durch das sanfte Streichen mit den Fingern im Verlauf der Lymphbahnen wird nicht nur dieser Flüssigkeitsstau gelöst, sondern zudem verhindert, dass sich direkt im Anschluss erneut Flüssigkeit ansammelt.

 

Was ist Lymphe?

Lymphflüssigkeit, oder auch Lymphe, ist eine wässrige Flüssigkeit, die sich im Lymphsystem befindet. Sie bildet sich aus Gewebsflüssigkeit und enthält zusätzliche Enzyme und bestimmte Stoffe wie Kreatinin, Harnstoff und Glucose. Lymphe ist überwiegend in zwei Bereichen des menschlichen Körpers zu finden:

  • im Zwischenzellgewebe
  • in den Gefäßen des Lymphsystems

Wozu dient das Lymphsystem?

Das Lymphsystem zieht sich, genau wie unser Blutkreislauf, durch den gesamten Körper und ist in erster Linie für den Transport von Nährstoffen und Abfallstoffen, die während des Stoffwechselprozesses entstehen, zuständig. Unter Abfallstoffe fallen dabei alle Stoffe, die der Körper nicht gebrauchen kann und daher ausgeschieden werden sollen – beispielsweise auch Fremdkörper und Krankheitserreger.

Das Lymphsystem ist sozusagen unsere körpereigene Müllabfuhr. Es ist Bestandteil des Immunsystems und für eine starke Abwehr gegen Krankheitserreger von entscheidender Bedeutung.

 

Wie funktioniert das Lymphsystem?

Im Gegensatz zum Blutkreislauf ist das Lymphsystem ist kein in sich geschlossenes System und hat auch keinen eigenen „Motor“ wie das Herz. Der Transport funktioniert ausschließlich

  • passiv durch Bewegung
  • aktiv durch (sanften) Druck auf die Lymphgefäße = Kompression

Die Lymphe wird dabei „von unten nach oben“ und von den Händen und Füßen zur oberen Hohlvene transportiert, also in Richtung Herz. Auf dem Weg dorthin fließt die Lymphe durch zahlreiche Lymphknoten. Hier werden sämtliche Gift- und Abfallstoffe aus der Flüssigkeit gefiltert und von Immunzellen vernichtet oder unschädlich gemacht. Etwa 600 solcher Knoten gibt es im menschlichen Körper – hauptsächlich im Bereich des Halses, der Achseln, der Leisten und Kniekehlen.

 

Warum kommt es zu einem Lymphstau?

Kommt es zu einem Flüssigkeitsstau, sprechen Experten vom sogenannten Lymphödem. Dieses kann akut als Reaktion auf ein bestimmtes Ereignis oder chronisch aufgrund einer Erkrankung oder nachhaltig beschädigtem Lymphgewebe auftreten.

Unter anderem kommen folgende Ursachen für ein Lymphödem infrage:

  • Bewegungsmangel und langes Sitzen, z.B. in der Arbeit oder im Flugzeug
  • Operationen, Verletzungen, Verbrennungen und Quetschungen
  • Infektionen mit Bakterien oder Pilzen
  • Tumorerkrankungen
  • Bestrahlung im Rahmen einer Krebsbehandlung
  • Hormonell bedingte Wassereinlagerungen, z.B. bei Schwangerschaften
  • Entzündungen, Ekzeme und Geschwüre
  • Schädigung der Venen

 

Lymphstau erkennen

Probleme beim Abtransport von Lymphe erkennen Sie daran, dass das betroffene Körperteil geschwollen und prall mit Flüssigkeit gefüllt ist. Sein Umfang kann sich schnell um mehrere Zentimeter vergrößern. Wenn Sie einen Finger ins Gewebe drücken, bleibt der Fingerabdruck meist mehrere Sekunden sicht- und spürbar. Schmerzen treten selten auf, allerdings leiden Betroffene oft an einem unangenehmen Spannungs- und Schweregefühl. Die Haut erscheint blass und glatt und es ist kaum möglich, eine Hautfalte anzuheben.

 

Wie hilft die manuelle Lymphdrainage beim Lymphödem?

Die Manuelle Lymphdrainage unterstützt das überlastete Lymphsystem zum einen beim Abtransport der angestauten Flüssigkeit. Zum anderen regt sie unser Reinigungssystem dazu an, wieder seine Funktion aufzunehmen.

Der Therapeut arbeitet dabei mit sanften Griffen und bestimmten Streichtechniken entlang der Lymphbahnen. Da diese direkt unter der Haut verlaufen ist es nicht nötig, größeren Druck auszuüben – ganz im Gegenteil: Zu viel Druck würde nicht zum gewünschten Ergebnis führen, sondern das Lymphsystem nur zusätzlich belasten. Die Lymphdrainage ist also eine sehr behutsame Behandlung, die beim Patienten keine Schmerzen verursacht.

Generell sollte die Drainage nur von geschultem Personal und von Experten durchgeführt werden, da sie sonst keinerlei Wirkung zeigt.

 

Was sollten Sie beachten?

Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen, sollten Sie vor und nach der manuellen Lymphdrainage ausreichend Flüssigkeit zu sich nehmen. Am besten eignen sich stilles Wasser und Kräutertee.

Was zuerst nach einem Gegensatz klingt – denn eigentlich möchten Sie ja Flüssigkeit loswerden – liegt am falschen Verständnis, wie es zu der Flüssigkeitsansammlung in unserem Körper kommt. Denn im Grunde haben wir in diesem Moment nicht zu viel Flüssigkeit in uns, sondern einen Flüssigkeitsmangel. Der Körper versucht nun, das Bisschen an Flüssigkeit, was er noch hat, unter allen Umständen „festzuhalten“.

Wundern Sie sich auch nicht, wenn Sie nach der Behandlung vermehrt Wasserlassen müssen. Dies ist ein gewünschter Nebeneffekt, denn er deutet darauf hin, dass die Behandlung erfolgreich war und die eingelagerte Flüssigkeit abtransportiert wird.

 

Wann darf manuelle Lymphdrainage nicht angewandt werden?

Unter bestimmten Umständen darf keine manuelle Lymphdrainage durchgeführt werden. Dazu gehören beispielsweise:

  • Herzschwäche
  • Thrombose (=Blutpfropf)
  • Akute Infektion (Bakterien könnten sich sonst über das Lymphsystem im gesamten Körper verbreiten)

Generell sollten Sie eine Therapieverordnung immer zuerst mit Ihrem Arzt abklären und sich zu alternativen Behandlungsmethoden beraten lassen.